Von diesem Projekt existieren bisher lediglich einige analoge und digitale Skizzen – eine Einführung in »Würzburgefonts«.

Es ist nicht ganz einfach, im typografischen Stadtbild Würzburgs Schrift aus der Vorkriegszeit aufzuspüren. Im zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der historischen Altstadt zerstört. Nach den wenigen erhalten gebliebenen Straßenschildern, auf denen noch eine gebrochen Schrift verwendet wird, muss man eine ganze Weile suchen.

Das besondere Merkmal der dabei in Würzburg verwendeten Textura Schriften ist ihr Duktus. Die Winkelung der gebrochenen Federzüge ist nicht wie sonst üblich relativ gleichbleibend, sondern deutlich steiler bzw. flacher. An Verbindungsstellen, in denen sich vertikale und horizontale Striche treffen, entsteht so eine Kerbe. Die Winkelung wirkt der Textura Schriften sonst eigenen Statik entgegen und verleiht der Würzburger Variante eine gewisse Lebendigkeit. Ähnlich konstruiert ist beispielsweise die Moyenage von František Štorm.


Beim überwiegenden Teil der Straßenbeschilderung in der Würzburger Altstadt und direkt angrenzender Stadtteile wird eine Semi Sans verwendet. Auf den Emaille-Schildern steht weiß auf blau eine schmal laufende Schrift mit wenig Strichstärkenkontrast. Die Serifen sind deutlich schmaler gezeichnet als die Buchstaben, denen sie angesetzt sind. Die leichte Verjüngung zum Übergang am Stamm ist eine optische Korrektur, mit der sie aus der gewöhnlichen Betrachtungsdistanz gerade wirken. Die Serifen sind hierbei allerdings eher Verzierung denn Lesehilfe.

Das typografisch geschulte Auge stolpert beim Lesen der Schilder an einigen Stellen, zum Beispiel am häufig vorkommenden Minuskel-s. Die Wende in seiner Schleife verläuft in einer Aufwärtsbewegung von links unten nach rechts oben. Die Ausläufe der s-Bögen wurden mit einem abschwellenden Strichstärkenkontrast versehen, der zum Ende hin dem der Serifen entspricht, in denen sie abschließen. Das w ist ein um 180° punktgespiegeltes m. Das zweistöckige g läuft unten gerade statt in einem runden Bogen aus und die Strichstärke übertrifft an diesem Punkt optisch die aller anderen Buchstaben. Der Stamm des k wird wie sonst nur beim t üblich oben schräg angeschnitten (→ Ludwigkai). Es gibt aber eine Variante in der das k an der Oberlänge endet und dort eine links angesetzte Serife aufweist (→ An der Löwenbrücke). Bei einigen Schildern kann man zudem einen Zwiebelfisch finden. Vermutlich waren irgendwann die Schablonen für das beim …-straße-Wortteil oft benutzten ß nicht mehr verfügbar, weswegen man auf das einer anderen Schriftart zurückgreifen musste (→ Gartenstraße).

Viele würden die Schrift wohl nicht als »schön« bezeichnen. Vielleicht machen sie aber gerade die Mängel auf den zweiten Blick interessant.

Der Artikel ist ein Auszug aus meinem Exposé zur Bachelorarbeit, in der ich mich im nächsten Jahr unter anderem auch mit diesem Teil des typografischen Stadtbildes Würzburgs beschäftigen werde.