Konzept

Gegenstand des Experiments war es, eine Schrift zu entwickeln, die sich gerade noch im Bereich der Lesbarkeit bewegt. Um dies zu erreichen, ging ich von einer bereits existierenden Satzschrift aus, der Eurostile, die ich manipulierte, um eine neuartige Schrift zu kreieren. Die Modifikation bestand darin, die einzelnen Buchstabenformen in mehreren Einzelschritten zu ihrem jeweiligen Nachbarn im Alphabet zu „morphen“. Im Klartext: Das a wurde zum b, das b zum c und so weiter. Aus diesen Zwischenschritten, die teils sehr ungewöhnliche Formen ergaben, wählte ich je einen aus und verwendete ihn als Buchstabe für meine neue Schrift.

Die Abbildung zeigt einige erste Bleistiftstudien solcher Morphings, die der Einfachheit halber aber noch nicht mit den charakteristischen Eigenschaften der Eurostile versehen wurden, sondern lediglich von Veränderungen im Skelett der Schrift ausgehen.


Nun wurden konsequent alle Buchstaben zu ihrem Nachfolger gemorpht, und zwar unter Beachtung der formalen Merkmale der Eurostile. In der Regel habe ich fünf bis sechs Zwischenschritte verwendet, um einen möglichst nahtlosen Übergang zu schaffen.

Wie anhand der Tabelle deutlich wird, standen nun – alle Morphingschritte einberechnet – eine Auswahl von 128 Buchstabenformen zur Verfügung. Es galt nun, aus diesen Formen ein neues Alphabet zusammenstellen, welches aber trotz des teilweise fremd anmutenden Charakters der Buchstaben einigermaßen lesbar bleiben sollte. Zu diesem Zweck wählte ich aus den jeweils zwei Morphingreihen, an denen ein Buchstabe beteiligt war, einen Zwischenschritt aus, welcher dann als neuer Buchstabe in meiner experimentellen Schrift mit dem Namen »Gerrystyle« fungieren sollte.


Ich scannte diese Auswahl von Buchstaben einzeln ein und setzte sie im Photoshop manuell zu Phrasen zusammen, um die Lesbarkeit und den Charakter der Schrift zu testen. Dabei stellte sich heraus, dass einige der Buchstaben, die durch das Morphen enstanden, eine zu starke Unruhe in das Schriftbild brachten.

vom x zum u – ein experiment am rande der lesbarkeit

Zeichensatz

Das Ergebnis des Morphens ist eine eigenständige Schrift, die zwar die formalen Eigenschaften der Eurostile besitzt, was Strichstärke, Rundungen und Linienabschlüsse angeht, jedoch einen ganz eigenen, neuartigen Charakter hat. Natürlich kann sie in Sachen Homogenität und Lesefreundlichkeit nicht mit der Eurostile mithalten. Doch das war ja auch nicht die Aufgabe des Experiments. Die neue Schrift ist sehr lebendig und lädt dazu ein, sich die einzelnen Buchstaben genau anzusehen.

Plakatideen

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Ein Kommentar

  1. Franzi, am

    Sehr interessante Schrift

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