slab serif, egyptienne, schriftart, serifen, type design, prozess, design, jürgen schwarz, jakob runge, typemefonts.com, type me! fonts2011 die erste Serife gezogen und 2014 endlich fertig: Die Schriftfamilie Muriza ist seit kurzem erhältlich. Aber spulen wir nochmal an den Anfang …

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I. AKT — Ein guter Freund.

»Er muss nicht immer bei allen Abenteuern dabei sein, aber man weiß, dass man sich (immer) auf ihn verlassen kann – auf ihn, den guten Freund.« So in etwa klang es, als ich den Charakter meiner geplanten Schrift zu Beginn meines Schriftkurses im Sommersemester 2011, an der FH Würzburg bei Frau Prof. Nolte, beschrieben hatte. Da ich davor mit Serifen wenig Erfahrung hatte, Slab Serifs gar nicht so toll fand, wollte ich mit diesen persönlichen Vorurteilen und Bildungslücken aufräumen. Nach zahlreichen Übungen um das Auge zu schulen, begannen die ersten Skizzen auf Papier denen noch sehr viele folgten – sehr sehr viele. Quasi die Epoche der transparenten Papiere: Scribbles und Skizzen wurden stetig verbessert, Gewichte verlagert, Kurven ausgewogen und ›Eggen‹ vermieden.

Neben dem Feedback meiner Kommilitonen, besuchte uns ab und an Volker Schnebel von URW und gab uns Tipps für Verbesserungen. Zuerst erstanden die Gemeinen an denen ich speziell sehr viel an den Serifen experiementiere – von spitz, über kurz bis hin zu sehr flach war alles dabei. Sehr lange blieb ich Stift und Papier treu und startete spät mit der Umsetzung am Computer mit FontLab, was dann jedoch relativ schnell ging, da ich mich um eine sehr gute Form im analogen Modus bemühte — bei Skizzen über Skizzen eigentlich kein Wunder.
Am Ende des Kurses standen die Gemeinen und Versalien fest – 52 Buchstaben, drei Umlaute, das Eszett und fünf Zeichen der Interpunktion. Dann bekam der Entwurf seinen Namen: ›Muriza Slaka‹ – ein Begriff aus dem Slawischen, der die Gegend meiner steirischen Heimat beschreibt. Denn die Schrift hatte für mich etwas Ursprüngliches, zudem erinnern Form und Breite ein wenig an Täler und Berge, sowie die Bahn-Viadukte am Semmering, dem Pass in Richtung Wien.

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II. AKT — Darf’s a bisserl mehr sein?

Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer – so machen 61 Zeichen noch lange keine Schrift. Vom Ehrgeiz gepackt und vom Schriftgestalten begeistert, startete ich im folgenden Wintersemester in die zweite Runde. Im Rahmen eines freien Kurses widmete ich mich meinem Entwurf, auch wenn wenige Zeit dafür
war. Ich verbesserte noch ein wenig am bisherigen Entwurf und erweiterte ihn um Ziffern, Klammen und mehr Interpunktion. Dabei startete ich erneut mit Stift und Papier – nur so konnte ich für mich richtig gut die besten Formen finden. Von Zeit zu Zeit holte ich mir Rat von Jakob, werkelte aber häufig eigenständig vor mich hin.
Am Ende war der Zeichensatz auf 165 Glyphen ausgebaut, der Name hingegen gekürzt, da mir ›Muriza‹ wesentlich griffiger schien. So wollte ich meinen Entwurf einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren und und erstellte eine Seite auf 26+. Danach wurde es, aufgrund meiner der Bachelorarbeit, sehr ruhig um die ›Muriza‹ …

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III. AKT — Eine Famile. Deluxe.

»Will alles! Oder nichts …« sang die Knef sehr lange bevor ich nach Berlin kam, aber ähnlich dachte ich auch, als mir die ›Muriza‹ wieder in den Sinn kam. Das Bedürfnis etwas Unvollendetes fertig zu stellen und immer wieder motivierende Kommentare waren mein Antrieb. So kam es, dass ich im Sommer 2013 Jakob fragte, ob er denn nicht Lust hätte, gemeinsam die ›Muriza‹ zur Marktreife weiterzuentwickeln. Und das hatte er!
Von da an ging es Schlag auf Schlag, als der Zeitplan stand und die Ziele definiert waren, begann die Aufarbeitung der bisherigen Zeichen. Kein Zeichen blieb unangetastet, die Serifen wuchsen, andere Formen wurden optimiert – das alles schon mit der Absicht, noch einige Schnitte mehr zu entwerfen. So wuchs die Regular stetig voran und bekam mehr und mehr Sonderzeichen, Ziffern und eine umfangreiche Zusatzausstattung. Während ich in Berlin noch einiges an Technik und in Glyphs lernen musste, war Jakob in München ein idealer Lehrer. Mittels moderner Helfer – Zauberwort Skype und Dropbox – konnten wir gemeinsam an der idealen Form jedes einzelnen Zeichens diskutieren und feilen. Bald wuchs die Hairline und die Black hinzu und einige Schnitte dazwischen, zahllose Korrektur-Ausdrucke halfen uns die Zurichtung zu optimieren, ehe es dann an die Idee einer Kursiven ging.
Zuerst skizzierten wir unabhängig von einander wie die Kursive den aussehen könnte, verglichen dann Entwürfe ehe wir dann auf der finalen, 31. Version der Aufrechten die geneigten Schnitte begannen. Bei der Italic hatte ich anfangs durchaus Probleme mit dem leichten Strichstärkenkontrast der Aufrechten, denn deren Harmonie musste unbedingt beibehalten werden. Aber gut trainiert, konnten wir recht zügig die passenden kursiven Schnitte zu allen aufrechten Gewichten fertigstellen. Und dann kam das Kerning.
Noch nie zuvor hatte ich meinen Computer so lahm erlebt und vermutlich nie zuvor hatte ich im Design eine solche nüchterne Phase erlebt. Tagelang nur auf schwarze Zeichen auf weißem Grund zu schauen und die Abstände zu kontrollieren und zu verbessern ist wahrlich ein Knochenjob, dabei hatte ich ohne Jakobs Vorbereitung und der Arbeitsteilung vermutlich noch Jahre länger gebraucht. Spätestens hier wurde mir klar, warum eine Schriftlizenz kostet, was sie kostet. Trotz der farblosen Monitoranzeigen und dem grauen Berliner Winterwetter war das Kerning irgendwann dennoch geschafft und wir konnten uns der Anwendung widmen. Denn auch die Vermarktung einer Schrift ist Arbeit. Aber man sieht es dem Specimen-Heftchen im zwei-farbigen Offsetdruck oder auch der kleinen Microsite an – es hat richtig Spaß gemacht!

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Die ›Muriza‹ ist nun erhältlich – in insgesamt 18 Schnitten von Hairline bis Black stehen pro Gewicht 833 Zeichen, bzw. 636 Zeichen in der Kursiven, zur Verfügung. Mehr Details zu den Schnitten und der Möglichkeit des Erwerbs gibt es unter www.Muriza.com.

Viel Freude beim Entdecken!

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