Vergangenen Freitag fand das Now we are talking Festivals statt: The New Free Open Air Summer Type & Design Festival. Veranstaltungsort war das F.A.S.T (Free Architecture Surf Terrain) ein surfers village nahe dem Strand im Den Haager Ortsteil Scheveningen. Ein hochwertiges und kostenloses Rednerprogramm über Typografie und Design wurde durch Bands, Filme und Workshop abwechslungsreich ergänzt. Hier einige Eindrücke vom Festival:

Unter dem Titel »Typeshorts« fanden am frühen Nachmittag Kurzvorträge von Yves Peters, Dave Crossland und den Typefreaks statt.

Yves Peters: Trajan in Movie Posters
Zuerst präsentierte der Chefredakteur des Fontfeeds Yves Peters seine Forschungsarbeit über Filmplakate. In der Filmindustrie, so Peters, lassen sich deutliche Trends in Sachen Schriftwahl verzeichnen: Jedes Filmgenre hat seine eigene Schrift! So kommen etwa auf dem Großteil aller Plakate für Komödien fette, rote Serifenlose zum Einsatz. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die von Carol Twombly digitalisierte Schrift Trajan wird auf Filmplakaten jedes Genres inflationär benutzt. Diese Beobachtung, die bei Designern schon oft für Schmunzeln sorgte, skizzierte Peters anhand von Zahlen, Daten und einer Vielzahl von Filmplakaten auf: »Trajan is the movie font«. Seit ca. 2006 bekommt sie jedoch Konkurrenz von einer neuen »Helvetica for movie posters«: Vermehrt ist die Schrift Gotham der Foundry Hoefler & Frere-Jones auf den Plakaten aller Filmgenres zu sehen.

Yves Peters: Cultural References
In seinem zweiten Typeshort sprach Yves Peters das Thema Schriftwahl an. Neben der Entscheidung zwischen Text- und Displayfont, dem Grad des Ausbaus und des historischen Kontexts nannte Peters die »cultural references« als eines der zentralen Auswahlkriterien. Letzteres erklärte er anhand mehrerer Beispiele. Wurde Helvetica beispielsweise anfangs – aufgrund ihrer formalen Reduktion – als »every man´s style face« betrachtet, bekam die Schrift durch ihre zunehmende Verbreitung und den Einsatz bei großen Unternehmen wie BMW, Siemens, Nixdorf, etc. den Ruf als »capitalism typeface«. Derartige, sich stets ändernde Konnotationen, so Peters, gilt es bei der Wahl der passenden Schrift zu berücksichtigen. Heute haftet beispielsweise auch gebrochenen Schriften weniger als noch vor einigen Jahren der Kontext rechtsradikaler Bewegungen an, da sie zuletzt auch vermehrt auf amerikanischen Hip-Hop-Plattencovern und in der mexikanischen Tattoo-Kultur zum Einsatz gekommen sind.

Dave Crossland: Understanding Fonts
In seinem Vortrag sprach Dave Crossland zunächst das Thema Libre Fonts an. Crossland erklärte, dass die Zahl von Schriftgestaltern derzeit stark ansteige. Durch das so entstehende Überangebot an Fonts prognostizierte er für die Zukunft sinkende Preise beim Verkauf von Schriften. Eine Entwicklung, die dem Endverbraucher zugutekommt, da Schriften so generell erschwinglicher werden.

Typefreaks: Het Groot Dictee der Typografie
Die dritten Vortragenden waren die Typefreaks, eine holländische Gruppe von Schriftbegeisterten. Auf unterhaltsame Art und Weise wiesen sie auf eine von ihnen organisierte Veranstaltung hin: Het Groot Dictee der Typografie.

Lust Lab
Thema der Präsentation des holländischen Designbüros LUST war die Verknüpfung der digitalen mit der analogen Welt. In diesem Spannungsfeld entwickelte das Büro eine Vielzahl interaktiver Objekte und Installationen. Immer wieder ergänzten die drei Redner ihre Erklärungen mit Soundinstallationen und -objekten. So flog beispielsweise ein interaktiver Fußball durch die Zuschauerränge und verzerrten durch seine Bewegung Töne und Melodien.

Erik van Blokland
»Good ideas don´t come very often.« Viele Ideen wirken anfangs nur schwer umsetzbar und werden deshalb oft links liegen gelassen. Dabei sind es gerade diese Ideen, die sich rückblickend als die Besten erweisen. Erik van Blokland gab in seinem Vortrag Ratschläge und teilte Erfahrungswerte über den Umgang mit Ideen. Mit Sätzen wie »Give it [the idea] time«, »Ask the idea what it wants« oder »Build your own tools« regte er nicht nur an, sondern stellte klar heraus, dass der Umgang mit den eigenen Ideen hohe Sensibilität erfordert. Abschließend erklärte van Blokland, dass es leichter sei, einem Designer Programmieren beizubringen als Programmierer Design zu vermitteln und regte zur Auseinandersetzung mit der Programmiersprache Phyton an.

Vincent van Baar
In einer der stilleren Ecken des F.A.S.T. stellte Vincent van Baar Bücher aus seiner Privatsammlung vor. Gezeigt wurden Sortimentskataloge von Stahlträgerherstellern, Geschäftsbücher längst geschlossener Unternehmen, Preislisten amerikanischer Schraubenhersteller, etc. Hohe Druckqualität, perfekter Bleisatz und gute Bindungen sind Qualitätsmerkmale, die van Baar faszinieren. Er schärfte den Blick für scheinbar achtlos auf der Doppelseite angeordnete Stahlprofile und schwärmte über Holzstiche von Töpfen und Pfannen. Der charismatische Vortrag wurde durch van Baars historisches Hintergrundwissen zur bibliophilen Zeitreise.

O.K. Parking
Das Designerduo O.K. Parking sorgte dafür, dass das Publikum sich vor der Bühne zu einer Tanz-Performance versammelte. Nach kurzer Einweisung am Flip-Chart schwang das Publikum die Hüften zu Michal Jackson´s Thriller. Hintergrund der Tanzaktion war das bald erscheinende O.K. Periodical #7. Das Magazin ist eine Präsentations-Plattform für Kreativtalente und wird von O.K. Parking zweimal im Jahr herausgegeben.

Strange Attractors
Den letzten Vortrag des Abends hielten Strange Attractors. Thema ihrer Performance war die Type-Design-Legende Ed Benguiat. Neben den beiden Designern fanden sich Yves Peters am Schlagzeug und Peter Verheul am Bass auf der Bühne ein. Das gesamte Bühnenensemble trug neben falschen Bärten und Augenbrauen auch blaue NY-Yankkees-Caps. Bald stellte sich auch heraus warum: Catelijne van Middelkoop von den Strange Attractors hielt ein Porträt von Benguiat in Händen, das ihn mit Cap, Bart und dichten Augenbraun zeigte. Danach wurden noch weitere Bilder von Buchstaben, Letterings und Schriften gezeigt, lässig von Ryan Pescatore Frisk kommentiert und dazu noch musikalisch inszeniert. Erzählt wurde die Vita Benguiats angefangen bei seiner Jazz-Drummer-Karriere bis hin zum Alphabet, das er zuletzt für den Film »Planet der Affen« entworfen hat. Alles in allem war das Now we are talking Festivals ein voller Erfolg. Gerade die Abwechslung zwischen Bands und typografischen Input hat mir sehr gut gefallen. Durch diesen Rhythmus hatte man immer mal Zeit das Gehörte sacken zu lassen, sich darüber auszutauschen, gemütlich Musik zu hören, das Wetter zu genießen, o.ä. Daumen hoch! Freue mich aufs nächste Mal.