Seit kurzem ist das neue »Slanted Magazin #15« erhältlich. Gefeatured werden experimentelle, unkonventionelle Schriften. Mit dabei »TJ Evolette A«, »Elin«, »Frgmnt« und die »Amsterdam Fonts«
Gleich mit vier Beiträgen ist 26+ in der aktuellen Ausgabe des Magazins überraschend oft vertreten, was durchaus am Thema liegen mag: Experimentelle Schriften, die ohne funktionalen Anwendungsbezug gestaltet werden und oft dem try-and-error Prinzip unterliegen, lassen sich nun mal am Besten während des Studiums realisieren.

Das Beleg-Exemplar lag schon einige Tage vor der offiziellen Erscheinung (01.09.2011) im Briefkasten. Die Ausgabe – per Irisdruck im zufällig gemixten Blau-Grün auf weißem Papier gedruckt – hat ein auffälliges Cover, ist aber ansonsten im Innenteil farblich weitestgehend sehr dezent gestaltet. Ein guter Schachzug um die ohnehin schon bunten Schriften zu fassen. Den zweiten Clou hat dann noch Linotype gelandet, die nun an ihrem überholten Image arbeiten (u.a Web-Relaunch) und direkt die »Font in Fokus Broschüre« zum Magazin legen (– klar, auch aus dem Hause Magmabranddesign).

Beim Durchblättern können als erstes Timo Titzmann & Jakob Runge grinsen, denn ihre neu bei MyFonts und YouWorkForThem veröffentlichte »TJ Evolette A« ist ein Teil der Fonts & Typelabels. Das vorgegebene Urgebet der Scholle von Kurt Schwitters war für Timo die Steilvorlage mit den drei verschiedenen Alphabeten und vielen Schnitten der Schrift zu experimentieren – dem rapportartigen Lautgedicht sei Dank.



Im Experimental Type Special werden eine Reihe ungewöhnlicher typografischer Arbeiten und Schriftentwürfe gezeigt. Sehr angenehm zurückhaltend mit nur einer Abbildung pro Arbeit – für alles weitere hat heute ja jeder Heini eine Website.
Darunter ist »Elin«, die generative Schrift von Tatevik Aghababyan, die Slanted bereits für den Aufruf zur Einreichung dieser Ausgabe verwendet hat.


Auch die »Frgmnt« passt wie die Faust auf’s Auge der aktuellen Ausgabe. Als ein Teil der »TypExperimente« ist die bruchstückhafte Schrift von Jakob Runge ein Versuch Buchstaben nur auf die für die Lesbarkeit relevanten Fragmente zu reduzieren – funktionaler Nutzen noch ungeklärt.


Abschließend sind zwei von Elena Schädels abstrakten »Amsterdam Fonts« vertreten: Ihre Impressionen von Baumalleen und Hausfassaden der niederländischen Hauptstadt und deren Übersetzung in Schriftzeichen basieren auf wenigen formalen Elementen und assoziativen Lösungen.


Seit einigen Ausgaben werden im Magazin – neben der stärkeren Überlagerung der Beiträge – Fließtext und Grafik stark getrennt. Nicht jedem Autor schmeckt es, wenn Projekt und Person erst am Ende des Magazins als Referenz angegeben wird, anderseits lässt sich das Magazin so schneller durchblättern da Lesen und Gucken entzerrt werden.

Wie auch immer die starke Text-Bild-Trennung zu bewerten ist: Die Texte sind interessant. Etliche umfangreiche Interviews freuen den Type-Freak und die Typo/Schrift-Symposien des Sommers 2011 machen sich positiv durch die Fülle der Textbeiträge bemerkbar. Besonders fein ist die Unterhaltung mit Michael Mischler und Nik Thoenen vom Fontlabel Binnenland und deren Schrift »Korpus«, als diesmal einzige Text-Schrift der Ausgabe, ein markanter Beweis für die reale Funktionalität einer (dezent) unkonventionellen Schrift.

Erhältlich ist das 180 Seiten starke Magazin für gute 12,00 € im Slanted-Shop.
